After, is a Long Time: After October 7
Nach dem 7. Oktober rückte Israel durch Bilder des Schocks ins globale Bewusstsein. Die Gewalt war unmittelbar, sichtbar, unmissverständlich. Was danach folgte, verschwand jedoch weitgehend aus der internationalen Aufmerksamkeit. Diese Arbeit richtet den Blick auf diesen vernachlässigten Raum: auf das Danach, wie es bis heute gelebt wird.
Die Fotografien zeigen, was bleibt, wenn die Schlagzeilen weiterziehen – zerstörte Häuser, beschädigte Innenräume, zurückgelassene persönliche Gegenstände und Menschen, die ihr Leben in einer Wirklichkeit fortsetzen, die nicht abgeschlossen ist. Trauma ist kein einzelner Moment. Es setzt sich fort im Alltag, in Orten, die nicht mehr so funktionieren wie zuvor, und in Körpern, die Erfahrung weitertragen.
Zwischen beschädigten Häusern, ausgebrannten Interieurs und von Feuer veränderten Landschaften bleibt menschliche Präsenz sichtbar – nicht als Spektakel oder Anklage, sondern als Ausharren. Gegenstände erscheinen ohne Erklärung. Räume stehen offen, ihrer ursprünglichen Funktion entleert. Ein Teddybär eines Kindes liegt neben medizinischen Überresten – nicht als Symbol oder Metapher, sondern als Spur gelebter Realität.
Die Porträtierten werden weder auf Opfer reduziert noch zu Ikonen erhoben. Sie sind präsent, aufmerksam, ungeschützt. Ihre Blicke fordern kein Mitgefühl ein; sie behaupten Existenz. In ihrer Ruhe wird die Fortdauer des Traumas sichtbar – nicht dramatisch, nicht aufgelöst, sondern anhaltend. In vielen internationalen Mediennarrativen wird das Leiden israelischer Zivilistinnen und Zivilisten nach den ersten Angriffen auf ein kurzes Kapitel verdichtet oder ganz verdrängt. Diese Arbeit widersetzt sich dieser Verdichtung. Sie besteht auf Dauer – auf dem, was weitergeht, nachdem sich die Aufmerksamkeit anderswohin verlagert hat.
Eine der Fotografien entstand bereits 2018 und ist Teil der Serie, um sie in einen längeren Zusammenhang wiederkehrender Bedrohung einzuordnen. Diese Fotografien richten sich gegen das Vergessen. Nicht durch Erklärung, sondern durch Nähe. Sie laden dazu ein, bei dem zu verweilen, was ungelöst bleibt, was weitergetragen wird und was über den Nachrichtenzyklus hinaus fortbesteht. Fotografie ist hier kein Abschluss. Sie ist eine Form der Aufmerksamkeit für das, was bleibt.