Spiegelbild einer jungen Frau mit dunklem Haar und grün-gelben Kopfbedeckung, im Hintergrund eine andere Frau in dunkler Kleidung, umgeben von Früchten, Kerzen und Getränken.
PDF
Zwei ältere Frauen mit traditioneller Kleidung und bunten Tüchern auf dem Kopf stehen vor einem erdigen Hintergrund.
Zwei junge Mädchen stehen in einem schlichten, ungepflegten Raum mit rohem Bodengrund und einer Wand aus Beton und Holz. Eines der Mädchen hält ein Objekt in den Händen, während das andere sie ansieht. Im Hintergrund liegt eine Katze auf dem Boden, seitlich befindet sich eine ungeordnete offene Holzregal mit Gegenständen.

Different Lives, Side by Side

Diese Porträts entstanden 2012, in einer Phase, die international als Myanmars „demokratischer Frühling“ gefeiert wurde. Viele sahen Aufbruch und Hoffnung. Durch meine Kamera begegnete ich vor allem dem Fortbestehen tief verwurzelter gesellschaftlicher Strukturen, die kaum hinterfragt wurden, weil sie als Alltag galten.

Dass ich diese Arbeit erst heute, im Jahr 2026, zeige, ist eine bewusste Entscheidung. Die zeitliche Distanz erweist sich als entscheidend für die Lesbarkeit der Arbeit. Sie löst die Bilder aus dem damaligen politischen Optimismus und schärft den Blick für das, was sie tatsächlich zeigen: die beständige, oft übersehene Präsenz und Verantwortung der Frauen, die ich porträtiert habe.

Die Serie nähert sich der Lebensrealität von Frauen in Myanmar aus einer beobachtenden Perspektive. Sie zeigt eine Existenz voller Ambivalenzen. Einerseits wirkt das kulturell verankerte Konzept des Pon – die Vorstellung spirituellen Verdienstes, das Männern traditionell einen höheren gesellschaftlichen Status zuschreibt. Andererseits tragen Frauen maßgeblich die ökonomische Verantwortung ihrer Familien und Dorfgemeinschaften.

Besonders präsent sind die jungen Mädchen. In ihren Gesichtern verdichten sich Kontinuität und Zumutung zugleich. Sie stehen für das Weiterleben von Tradition, aber auch für die Last, die an die nächste Generation weitergegeben wird. Der direkte, ungeschönte Blick der Porträtierten widersetzt sich der langen Geschichte weiblicher Unsichtbarkeit.

Ich präsentiere diese Arbeit heute, weil die politischen Umbrüche seit 2021 eine erneute Lesart ermöglichen. Was damals als alltägliche Realität erschien, lässt sich heute als Teil jener sozialen Bedingungen betrachten, aus denen später Widerstand und Selbstorganisation erwuchsen.

Menschen in einem Tempel bei einer traditionellen Zeremonie, viele halten Räucherstäbchen, Rauch und zeremonielle Gegenstände sichtbar.
Drei Menschen in traditioneller Kleidung und bunten Kopfbedeckungen, vor einer alten Wand mit Graffiti.
Ältere Frau mit bunter Kopfbedeckung und dunklem Tuch um den Kopf schaut nach links.
Zwei Frauen in traditionellen, bunten Trachten mit Schnitten und Stickereien, vor einem Hintergrund aus Motorrädern auf unbefestigtem Boden.
Ein junges Mädchen in weißer Kleidung sitzt an einem Holztisch in einem offenen Raum, der Teil eines Hauses ist. Der Innenraum hat blaue Wände und einen dunklen Türrahmen, auf dem Boden liegen Schuhe. Draußen vor dem Raum ist eine Terrasse mit roten Ziegeln und Pflastersteinen, und ein Baum ist sichtbar auf der rechten Seite.
Junge in rotem Mantel und roter Hut steht neben Motorrädern und einem Straßenstand, umgeben von Menschen, einige im Gespräch oder bei Reparaturen.
Straßenhändler verkauft rambutan und mango auf einem Fahrrad in einer belebten Straße, im Hintergrund sind farbenfrohe Gemälde in einem Kunstgeschäft.
Zwei Boote liegen im Wasser, eine Person steht im Wasser und wäscht sich, während ein Kind im größeren Boot sitzt. Das kleinere Boot ist neben dem großen Boot verankert.
Menschen, die in einem Tempel in weißen Kleidung sitzen und meditieren, im Hintergrund ein großes farbenfrohes Fenster mit einem Auge in einem Dreieck, umgeben von Lotusblumen.