Faces of Persistance: Women and Continuity
Diese Porträts entstanden 2012, in einer Phase, die international als Myanmars „demokratischer Frühling“ gefeiert wurde. Viele sahen Aufbruch und Hoffnung. Durch meine Kamera begegnete ich vor allem dem Fortbestehen tief verwurzelter gesellschaftlicher Strukturen, die kaum hinterfragt wurden, weil sie als Alltag galten.
Dass ich diese Arbeit erst heute, im Jahr 2026, zeige, ist eine bewusste Entscheidung. Die zeitliche Distanz erweist sich als entscheidend für die Lesbarkeit der Arbeit. Sie löst die Bilder aus dem damaligen politischen Optimismus und schärft den Blick für das, was sie tatsächlich zeigen: die beständige, oft übersehene Präsenz und Verantwortung der Frauen, die ich porträtiert habe.
Die Serie nähert sich der Lebensrealität von Frauen in Myanmar aus einer beobachtenden Perspektive. Sie zeigt eine Existenz voller Ambivalenzen. Einerseits wirkt das kulturell verankerte Konzept des Pon – die Vorstellung spirituellen Verdienstes, das Männern traditionell einen höheren gesellschaftlichen Status zuschreibt. Andererseits tragen Frauen maßgeblich die ökonomische Verantwortung ihrer Familien und Dorfgemeinschaften.
Besonders präsent sind die jungen Mädchen. In ihren Gesichtern verdichten sich Kontinuität und Zumutung zugleich. Sie stehen für das Weiterleben von Tradition, aber auch für die Last, die an die nächste Generation weitergegeben wird. Der direkte, ungeschönte Blick der Porträtierten widersetzt sich der langen Geschichte weiblicher Unsichtbarkeit.
Ich präsentiere diese Arbeit heute, weil die politischen Umbrüche seit 2021 eine erneute Lesart ermöglichen. Was damals als alltägliche Realität erschien, lässt sich heute als Teil jener sozialen Bedingungen betrachten, aus denen später Widerstand und Selbstorganisation erwuchsen.